Ein Heimatstück hiwe wie driwe vum Rhin von Carl Zuckmayer

Der fröhliche Weinberg – ‚S luschtiche Rablànd
06.08.2022 | 20:00
Kirchplatz, Neuried-Altenheim
Kirchplatz, Kirchstraße 29, 77743 Neuried-Altenheim,
OPEN AIR Sommertour 2022

Sommertheater mit großem Ensemble an verschiedenen Orten rechts und links des Rheins bietet das Theater BAden ALsace mit Zuckmayers gesellschaftskritischem Heimatstück.

Jean Baptiste Gunderloch, ein vitaler altender Weingutsbesitzer sehnt den Ruhestand herbei. Vor einem glücklichen Leben als Rentier will er seinen Weinberg verkaufen und seine Tochter Klärchen unter die Haube bringen. Die Versteigerung des Weinbergs lockt natürlich viele Interessierte an. Einen Teil der Reben hat er allerdings als Mitgift für seine Tochter vorgesehen. Bevor es jedoch zur Heirat kommen kann, soll der künftige Schwiegersohn erst unter Beweis stellen, über einen legitimen Erben die Familientradition sichern zu können. Während der Student Knuzius eifrig darum bemüht ist, diese Bedingung unromantisch zu erfüllen, hat niemand seine Rechnung mit Klärchen gemacht: denn sie erträumt sich eine Heirat aus Liebe, eine Zukunft an der Seite des elsässischen Rhein-Schiffers Jochen Most.

Tiefe Gefühle, die für unerwartete Verbindungen und reichlich Verwirrungen sorgen, prallen gegen kalte Berechnung. Falsche Verdächtigungen, die Aussicht auf lukrative Geschäfte, üble Nachrede und gern gepflegte Vorurteile, gegensätzliche Ansichten über Gott und die Welt, aber auch Sehnsüchte nach dem wahren Glück drehen sich bei steigendem Weinkonsum in einer explosiven Mischung immer schneller um-, durch- und gegeneinander.

Voll Situationskomik, prall-lebensnahen Charakteren, mit bunt gezeichnetem Lokalkolorit, weinseligem Gesang und Tanz wird ein satirisch-kritisches Gesellschaftsbild auf die Bühne gebracht. Noch wird das Leben gefeiert. Doch lauert schon die Fratze des Bösen am Horizont der Geschichte.

Carl Zuckmayers erfolgreiches Volksstück, 1925 in Berlin am Theater am Schiffbauer Damm uraufgeführt, wurde vom Publikum bejubelt, führte aber auch zu wütenden Protesten in der rheinhessischen Heimat von Zuckmayer. Theater BAAL hat dieses ursprünglich im hessischen Dialekt geschriebene Stück mit großem Ensemble, auch unter Einsatz von eigens gefertigten Puppen, ins Badisch-Elsässische übertragen.

„Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.

Carl Zuckmayer, in "Des Teufels General"