Nach dem Roman von Joachim Meyerhoff
In einer Theaterfassung von Edzard Schoppmann
Der junge Joachim zieht in die herrschaftliche Villa seiner Großeltern in München, um die renommierte Otto-Falckenberg-Schauspielschule zu besuchen. Zwischen reichlich mit den Großeltern genossenem Whiskey und verstörendem Schauspielunterricht entfaltet sich eine aberwitzige Coming-of-Age-Geschichte voller Brüche und Sehnsüchte – getragen von skurrilen Momenten, tragikomischer Tiefe und großer Zärtlichkeit für das Scheitern.
In der Theaterfassung für sechs Darstellerinnen und Darsteller wird Meyerhoffs Erzählstimme auf mehrere Schultern verteilt. Großeltern, Lehrer, Mitschüler, innere Stimmen und der junge Ich-Erzähler selbst fließen ineinander, ergänzen, widersprechen, erinnern. Das Ensemble wechselt virtuos zwischen Figuren, Stimmungen und Zeitebenen und lässt so die Schönheit des Romans auf der Bühne lebendig werden.
Eine Liebeserklärung an das Theater, das Leben, unsere Großeltern – und an die Lücke, die bleibt, wenn nichts bleibt, wie es einmal war.
Joachim Meyerhoff wurde 1967 geboren und ist Schauspieler, Regisseur, Theaterintendant und Autor. Viele Jahre war er an großen Bühnen engagiert, unter anderem am Wiener Burgtheater. Parallel zu seiner Theaterarbeit begann er, autobiografisch zu schreiben. Zunächst für die Bühne, später in Form von Romanen und literarischen Texten.
Seine Bücher zeichnen sich durch eine sehr persönliche Erzählweise aus. Meyerhoff schreibt über seine eigene Biografie, ohne sich zu idealisieren. Er erzählt von Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden, von familiären Beziehungen, Verlusten und inneren Konflikten. Dabei verbindet er Humor mit großer Ehrlichkeit und schafft Texte, in denen sich viele Leser:innen wiederfinden.
Die autobiografische Romanreihe „Alle Toten fliegen hoch“ bildet das Herzstück von Joachim Meyerhoffs Werk. In sechs Bänden erzählt er von verschiedenen Lebensphasen – von der Jugend bis ins spätere Erwachsenenalter.
Seit 2005 gehört Meyerhoff zum Ensemble des Wiener Burgtheaters und seit 2013 ist er Mitglied des Ensembles des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. 2007 erhielt er den Titel «Schauspieler des Jahres» für seine Rolle in Shakespeares «Viel Lärm um nichts».
Joachim Meyerhoff lebt heute in Berlin und ist Vater von drei Kindern.
Welche Erinnerungen haben Sie selbst an Ihre erste Aufnahmeprüfung?
Die erste Aufnahmeprüfung an der Stuttgarter Schauspielschule endete, bevor sie überhaupt begann. Bereits am Vorabend war mir vor Aufregung hundeelend, sodass ich erst gar nicht antrat. Bei der zweiten Prüfung an der Hochschule der Künste Berlin war ich auch sehr nervös, ich bin in einem Affenzahn mit Molières „Der Geizige“ über die Bühne „cholerisiert“ und als Puck aus Shakespeares Sommernachtstraum wie ein Känguru herumgehüpft. Ähnlich wie Joachim Meyerhoff musste ich, da ich wohl auf der Kippe stand, eine Szene improvisieren. Der Klassiker: Ich bin ein Schiffbrüchiger. Das gelang mir wohl ganz gut, anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich in die 2. Runde kam. Dann ging aufeinmal alles ganz leicht, ich hatte Spielfreude, war null nervös, und wurde mit 8 anderen angehenden Schauspielschülern aufgenommen! Unter 300 Bewerbern!
Können Sie sich noch an einen Moment aus Ihrer eigenen Ausbildung erinnern, der ähnlich prägend war wie die Prüfungs- oder Vorsprechsituationen, die Meyerhoff schildert?
Manches war ähnlich wie bei Joachim Meyerhoff. Wir mussten auch Maschinen bauen und uns eine Stunde lang gegenseitig anstarren, nur als Beispiel. Sehr gerne erzähle ich eine kleine Anekdote: Wir mussten in unterschiedlichen Ecken, Gängen und Räumen der Schauspielschule eigene Szenen entwickeln. Ich habe (im Gang vor der Toilette) einen Gitarristen gespielt, der sich in seinem Probenraum ins Nirwana träumte und spielte. Ich war Fan von Frank Zappa. Als ich die Szene vor dem Publikum präsentierte, stürzte plötzlich die Mutter meiner damaligen Freundin mitten in die Szene und rief: Ach Edzard, da bist Du ja! Ich habe sie angefahren, gesagt, ich heiße nicht Edzard und sie hat nichts in meinem Probenraum zu suchen. Sie war völlig erschrocken, verstand die Welt nicht, erst da wurde ihr plötzlich klar, dass sie eine Theater-Szene gekapert hatte, sie hat sich 10 mal entschuldigt, lief rot an, verdrückte sich. Hinterher hat sie gesagt: Sie war so beeindruckt von mir, dass ich in der Rolle geblieben bin. Prägend war nicht dieses kleine Erlebnis, aber doch konnte ich immer wieder eigene Stoffe und Szenen mir ausdenken, schreiben und auf die Bühne bringen – ganz anders wie auf der eher klassischen Schauspielschule von Joachim Meyerhoff in München. Wir wurden in Berlin zu „konzeptionellen Schauspielern“ erzogen, nicht zu Marionetten in Händen von Regisseuren.